Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Ein berlinaler RückblickEin Ausweg? Elad Pankovski lässt vieles offen, aber sozialkritisch sei sein Film nicht, obwohl das Problem von Kriminalität bei russischen Einwanderern nach Israel angesprochen wird. Es gehe um etwas abstraktes, wie die Liebe. Aber wohl vor allem darum, wie ein Außenseiter, ein Schwacher manchmal eine Entscheidung zu treffen hat. Im einzigen israelischen Kurzfilm auf der diesjährigen Berlinale «BaDerech Hachutza» («Der Weg hinaus») verliert der Hauptdarsteller am Ende seine moralische Basis, meinte Pankovski im Gespräch mit der «Jüdischen Zeitung». Der Film im Format Digibeta zeigt in unterhaltsamen und nachdenklich machenden 18 Minuten Szenen hauptsächlich aus dem Umfeld von aus Russland und der Ukraine stammenden Einwanderern. Der Klavier spielende Protagonist steht unter dem schlechten Einfluss eines russisch schreienden Kleinkriminellen. Während der arbeitslose Klavierspieler sich um seine Großmutter kümmert, die am Ende ihres Lebens ihre auf den Punkt gebrachte Weisheit teilt, versucht sein israelisches Umfeld einen Job zu vermitteln, doch erste Schritte bleiben erfolglos. Er ist zuwenig integriert, hat zu wenige Freunde, hat den Loser vielleicht zu sehr verinnerlicht, als dass er sich dem zerstörerischen Einfluss seines Freundes entziehen könnte. Ist er zu schwach, auf so einen «Freund» zu verzichten, auch wenn er ihn in Einsamkeit und Unglück reißt? Wandernde Juden Wer 16 ist und in Twickenham lebt, hat 1962 nicht viele Chancen, seinen Status anzuheben. Eine gute Bildung ist ein zielstrebiger und obendrein legaler Weg. Juden dagegen wandern, sind gebildet und nicht immer ehrlich. «There is no smoke without fire, and you are a liar», das ist der Tenor eines richtungweisenden Songs am Ende von Lone Scherfigs Films «An Education», der in der Übersetzung «Eine Bildung» heißt. Die sechzehnjährige Schülerin Jenny (Carey Mulligan) ist Klassenbeste und spielt im Schulorchester Cello, weil der Vater denkt, dass das in der Bewerbung für Oxford gut aussieht. Sie kennt sich mit den Vorraffaeliten aus, darf aber nicht tun, was sie möchte. Sie träumt von Frankreich, weil man dort rauchen und französisch sprechen darf. Mit Latein dagegen quält sie sich. Nicht so schlimm, sagt ihr eine Bekannte: in spätestens 50 Jahren seien die Lateiner ganz sicher ausgestorben, habe sie gehört, und dann würde auch niemand mehr lateinisch sprechen. Abwechslung in Jennys Leben, in dem jeder Pfennig umgedreht werden muss, bringt David (Peter Sarsgaard). David ist Jude, das stellt sich gleich beim ersten Treffen heraus, als er ihr Cello aus dem Regen rettet. Juden und Elgar passen nicht gut zusammen; aber die unbedarfte junge Schönheit versteht sich gut mit David, da sie sich gut mit Kunst, Musik und Französisch auskennt. Aber David bietet noch mehr: er fährt einen kastanienbraunen Bristol – so einen Wagen hatte sie noch nie gesehen. Er besucht Versteigerungen, Jazzklubs und Hunderennen, kennt die Weinkarte der besten Restaurants. Jenny ist ganz hin und weg, und ihre gute Schule gleich mit. David macht Unmögliches möglich, welt- und redegewandt und mit kleinen Schwindeleien, bis Jenny vom Regen in die Traufe kommt. Die Rektorin hatte das ja geahnt, und bemerkt, als sie erfährt, dass Jennys Freund Jude ist, dass Jenny ein größeres Problem hätte, als ursprünglich angenommen. Wen das alles nicht stört, dem wünschen wir mit dieser Love Story aus dem Großbritannien der frühen Sechziger Jahre gute Unterhaltung! Stadt der Grenzen Israel wurde dieses Jahr kaum mit einem Preis bedacht, was auch daran lag, dass nur Filme zugelassen waren, die noch nicht andernorts gezeigt worden waren; von 28 Kurzfilmen nahmen nur 11 am Wettbewerb teil. Umso mehr erfreut dieser Berlinale-Award 2009: Den Leserpreis der «Siegessäule» erhielt «City of Borders» von Yun Suh. Die unabhängige Leserjury krönte diesen gelungenen Streifen zu Recht, der erzählt, wie in einer Jerusalemer Schwulenbar ein lesbisches Pärchen von beiderseits des Grenzzauns aufeinandertrifft. Ihre wie auch andere Charaktere werden fein gezeichnet, es bilden sich ungewohnte Allianzen, sowohl in dem Club wie auch vor der Tür. Es scheint, dass er nach ständiger Auseinandersetzung mit der konservativen Stadtverwaltung schließen muss, während sich draußen christliche, jüdische und muslimische Fundamentalisten gegen die Homosexuellen zusammenrotten. A History of Israeli Cinema Regisseur Raphaël Nadjari versteht es, dreieinhalb Stunden spannende Kurzweil zu bieten und gleichzeitig einen Bogen zu spannen von den Anfängen des Kinos noch in der Mandatszeit – der erste Teil behandelt die Jahre 1932–1978 – fast bis heute. Obwohl der israelische Film nicht 1:1 die Geschichte vor und nach der Staatsgründung abbildet, wird der kulturelle Reichtum dieses und an diesem Medium deutlich. So deutlich, dass es eine Überlegung wert gewesen wäre, statt zweier Teile vielleicht vier zu kreieren. Am Anfang werden religiöse und jiddische Filme gezeigt, vor und nach der Staatsgründung sind die Helden oft die Kämpfer und Pioniere, die Aufbauarbeit leisten. Dabei genoss der Film als Kunstform bis in die 50er Jahre bei Ben Gurion erst kaum Beachtung und keine Unterstützung. Der Begriff Filmförderung war ein unbekanntes Fremdwort. Das änderte sich durch Premingers Massenfilm, der die Anlandung von tausenden Flüchtlingen zeigte: Das Image Israels in der Welt erfuhr eine enorme Verbesserung. Esther Reichstadt, später als E. Ofarim bekanntgeworden, ist erstmals zu sehen; Ernest Gold erhielt 1961 einen Oscar für die Filmmusik. Bald gab es im Lande eine Hochschul-Film-ausbildung, deren Absolventen ab den 70er Jahren die Bildsprache bereicherten. Im zweiten Teil werden die Jahre 1978–2007 beleuchtet. In den Fokus geraten plötzlich die Außenseiter: benachteiligte Einwanderer, Homosexuelle, israelische Araber. Zwischen den Filmszenen werden Interviews mit vielen hochkarätigen Gesprächspartnern gezeigt, darunter die Filmemacher M. Bakri, Daniel Wachsmann, Avi Nasher, Ram Levi und der 1946 geborene Filmkritiker Uri Klein, der aus der ersten Abschlussklasse der Film- und Fernsehabteilung der Universität Tel Aviv stammt(vgl.S.8: Jehuda Ne‘eman). It’s all about cooperation Während am 11.2. Nadjaris Film im vollbesetzten Arsenal das letzte Mal auf der Berlinale vorgeführt wurde, bot der World Cinema Fund (WCF), ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Internationalen Filmfestspiele Berlin in Kooperation mit dem Goethe-Institut, die Möglichkeit, sich über Förderstrategien zu informieren. Zudem waren Branchenvertreter zu einer Panelveranstaltung «Kino in Palästina» eingeladen, unterstützt vom Auswärtigen Amt. Man musste unwillkürlich an Gorbatschows europäisches Haus mit den vielen Zimmern denken, als im Filmhaus gleichzeitig unten die „Geschichte des israelischen Films“ lief und fünf Etagen höher die des palästinensischen erörtert wurde. Bekannt wurde unter anderem, dass das einzige Kino in Jenin dieses Jahr mit 173.000 Euro versorgt wird, damit Ende des Jahres dort wieder Filme gezeigt werden können, was als Schritt auf dem Weg zum Frieden beschrieben wurde. Der WCF hatte 2005 den Film «Paradise now» von Hany Abu-Assad gefördert und zuletzt «Zion and his Brother» von Eran Merav (Israel 2009). Die Weltpremiere dieses Films fand unlängst im Wettbewerb des Sundance Festivals statt. 2005 war die Förderung mit 40.000 Euro beschlossen worden. Die enge Beziehung zwischen dem 14-jährigen Zion und seinem älteren Bruder erreicht durch einen schrecklichen Unfall einen kritischen Punkt. Die zwei Jungs sind vor dem Hintergrund eines Haifaer Vororts mit den harten Themen von Eifersucht, Erwachsenwerden, Moral und Loyalität konfrontiert. |