Klassenkamerad mit Spritzwasserschutz

Die Berliner Heinz-Galinski-Schule will mit "digitalen Klassenzimmern" die Medienkompetenz ihrer Schüler fördern. Ein vermuteter Fall von Günstlingswirtschaft trübt das Projekt

 

8,9 Zoll, schwenkbar und druckempfindlich: Mindestens bis Ende November haben die Schüler an der Berliner Heinz-Galinski-Schule einen neuen "Klassenkameraden".

Foto: Heinz-Galinski-Schule

Es gibt gute Gründe, der neuen Technik im Klassenzimmer den Vortritt zu lassen: Schneller, sauberer und unkomplizierter als konventionelles Lehrmaterial bietet sie neue Optionen für den modernen Unterricht. «Smartboards» ersetzen schmierige Tafeln, ein einfacher Mausklick löscht Fehler in der Rechnung und mittels E-Mail lassen sich unerlässliche Hausaufgaben kranken Schülern problemlos nach Hause schicken. Seit September dieses Jahres erprobt die Heinz-Galinski-Schule in Berlin die Vorzüge der neuen Hilfsmittel. Die Grundschule der Jüdischen Gemeinde setzt in zwei Klassen mit «digitalen Klassenzimmern» die Vorgaben der Schulbehörde um, im Schulalltag mehr Medienkompetenz zu vermitteln.

 

«Wir wollen unsere Schüler mit dem Projekt auf das Erwachsenen- und Berufsleben vorbereiten», erklärt die Bildungsreferentin der Jüdischen Gemeinde, Sandra Anusiewicz-Baehr, das neue Konzept. Zwei Klassen wurden zu diesem Zweck mit den so genannten «Classmate PC» ausgestattet. Schreiben und Rechnen ist mit dem robusten, mobilen Notebook möglich. Das Notebook erkennt Handschriften automatisch. Die Tastatur ist spritzwassergeschützt. Der Bildschirm des Notebooks, 8,9 Zoll groß, lässt sich drehen und schwenken. Auf den Touchscreens der Bildschirme lässt sich sogar malen. Über das Computerprogramm «Berry» sollen die Schüler künftig auf ihrem «Smartboard» eine eigene Seite einrichten, auf der sie ihre Erlebnisse aufschreiben und mit ihren Freunden teilen können. «Eine Art kindgerechtes MySpace sozusagen», erklärt Martin Fröhlich von der Firma «Unimall».

 

Dass sich allerdings um die Beauftragung an «Unimall» ein Wermutstropfen einschleicht, macht derzeit in den Gemeindegremien und auch über größere E-Mail-Verteiler die Runde. Zitat: «Der Personal- und Verwaltungsdezernent der Jüdischen Gemeinde zu Berlin (Mark Jaffé - d. Red.) spielt der Firma seiner Ehefrau Aufträge zu, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden... Mal wieder ohne Ausschreibung, obwohl andere solide Anbieter existent sind und gerne an einer Ausschreibung zu diesem Thema teilgenommen hätten». Sogar die Zahlung von Provisionen an Jaffés Gattin vermuten die Autoren der Rundmail. Ähnliche Vorwürfe gegen diesen Dezernenten hatte es kürzlich schon bei der Gründung einer Kindergartengruppe gegeben, die seine Tochter besuche, wobei dann auch gleich noch die Erzieherin der Kleinen aus dem ehemaligen Kindergarten zu außergewöhnlichen Konditionen übernommen worden sein soll.

 

Während diese in den E-Mails als «Skandale in der Gemeinde» bezeichneten Vorgänge ihren Lauf nehmen, wurden die altbekannten grünen Schultafeln bereits vor einigen Monaten durch neue «Smartboards» ersetzt. Seither gehören Kreidefinger und stinkende Tafelschwämme der Vergangenheit an. «Wir sind alle begeistert, Eltern wie Schüler. Dass der Computer von Schülern als alltägliches Arbeitsinstrument benutzt werden kann, ist schon längst überfällig», findet Nils Ederberg, Elternsprecher der 4b. Auch wenn die neue Ausstattung nicht wenig Geld kostet, bekommt das Pilotprojekt überwiegend positive Resonanz. Die Kosten halten sich im verträglichen Rahmen. Einen Unkostenbeitrag von 4.350 Euro für die «Smartboards» hat die Jüdische Gemeinde bereits übernommen.

 

Im Jahr 2010 wird der vom US-Computerhersteller Intel ausgeschriebene «Intel®-Schulpreis» verliehen. Die Heinz-Galinski-Schule will sich für den Preis bewerben. Ob die Schüler nun Teil einer wegweisenden Entwicklung werden oder schon bald wieder auf diese Art der Medienkompetenz verzichten, wird die nahe Zukunft zeigen.

 

Schoschana Geller

«Jüdische Zeitung», November 2009