Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Früher war (fast) alles besserZionistische Organisation beschweren sich über mangelndes Interesse junger Juden am Staat Israel
Zionistische Organisationen beklagen sich zunehmend, dass junge Juden in Deutschland zu wenig für Israel täten. So veröffentlichte beispielsweise das «KH-Journal. Zeitschrift des Keren Hayesod Deutschland - Vereinigte Aktion Israel e.V.» in seiner aktuellen Ausgabe ein Gespräch mit der Berliner Zionistin Jeannette Albeck. Albeck beschwert sich darin über die «mangelhafte Solidarität der jüdischen Jugend mit Israel». Die Pensionärin, die Anfang der 1950er in Israel lebte, wünscht sich, dass junge Menschen «aufwachen und erkennen, wie überlebenswichtig Israel für die Juden in aller Welt ist».
Albeck, deren Ehemann Moses nach der gemeinsamen Emigration von Israel nach Deutschland im Jahr 1954 ein erfolgreicher Immobilienkaufmann in Berlin wurde, wundert sich im «KH-Journal» darüber, dass so wenige junge Menschen bei den «Magbit»-Eröffnungen Anfang des Jahres 2009 gewesen seien. «Magbit» ist eine seit 1990 existierende zionistische Stiftung, die jüdischen Studenten aus aller Welt ein zinsloses Studiendarlehen erteilt, wenn diese ihr Studium in Israel beenden. Auf den diesjährigen «Magbit»-Veranstaltungen in Berlin, Stuttgart, Frankfurt und Köln waren zwar wieder zahlreiche ältere jüdische Politiker und Prominente erschienen - Jugendliche, also die eigentliche Zielgruppe, waren dagegen klar in der Minderheit. Jeannette Albeck weist in der Zeitschrift des Keren Hayesod, einer israelischen Quasi-Regierungsorganisation, die sich die «Heimführung der im Exil Lebenden» und die «Vereinigung des jüdischen Volkes» zur Aufgabe gestellt hat, auf die schwierige wirtschaftliche Lage sozialer Einrichtungen in Israel hin. Sie wünscht sich deshalb mehr persönliches Engagement junger Juden - finanziell oder persönlich. Die seit über vierzig Jahren als Spendeneintreiberin des Keren Hayesod fungierende Frau sehnt die Zeiten des Sechs-Tage-Kriegs zurück. Damals, in den Jahren nach 1967, gingen laut Albeck viele Freiwillige nach Israel zum Militärdienst, sogar «viele Nichtjuden». Auch die damaligen hohen Spendenaufkommen, wie etwa für die Keren Hayesod, sind heute nicht mehr vorstellbar. Dabei habe die zionistische Spendensammlung in Deutschland laut Albeck längst freundlichere Formen angenommen, als noch in der Vergangenheit üblich. Ende der 1960er Jahre kam es, so Albeck, nicht selten zu Handgreiflichkeiten, wenn sich Juden in Deutschland gegen zu aggressive Spendeneintreiber wehrten: «Beim Beten im Stiebel wurden diejenigen, die nicht freiwillig spendeten, in ein Hinterzimmer geholt und - nicht immer auf die feine Art - davon überzeugt, ihre Spende zu leisten. Solche Methoden kann man sich heute nicht mehr vorstellen.»
In diesen Tagen geht es weniger gewaltsam, aber nicht minder seltsam zu: Da prosten sich jüdische Offizielle auf von der Keren Hayesod ausgerichteten Diners bei seichtem Unterhaltungsprogramm zu und wundern sich, dass die jüdische Jugend - die zum Großteil aus russisch-jüdischen Migrantenfamilien stammt - dieser Art der «Solidarität» nur wenig abgewinnen kann. Übrigens: Jeannette Albecks Sohn, so erzählt die Frau im «KH-Journal», hat vor Kurzem sein Studium in London abgeschlossen und ging für drei Monate als Freiwilliger nach - Argentinien! |