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Zum dritten Mal wurde in Sachsen-Anhalt der Journalistenpreis «Rechtsextremismus im Spiegel der Medien» verliehen
Alexander Schierholz, Redakteur bei der «Mitteldeutschen Zeitung» in Halle (Saale) sowie Matthias Deiß, Eva Müller und Anne Kathrin Thüringer sind Preisträger des Medienpreises «Rechtsextremismus im Spiegel der Medien», der zum dritten Mal ausgelobt wurde. Ein Sonderpreis ging an Andreas Speit, der in der «tageszeitung» nun bereits im siebten Jahr regelmäßig die Kolumne «Rechter Rand» veröffentlicht, die ursprünglich als Reaktion auf den Einzug der NPD in den sächsischen Landtag begonnen wurde.
Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV) in Sachsen-Anhalt, Uwe Gajowski, hob hervor, dass der mit insgesamt 4.000 Euro dotierte Journalistenpreis als einziger deutschlandweit das Problem Rechtsextremismus thematisiere. Er wird gemeinsam vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung Sachsen-Anhalts und dem DJV ausgelobt. Auf der Gala «Ton angeben. Gegen rechte Gewalt» im Schauspielhaus Magdeburg betonte Justizministerin des Landes, Angela Kolb (SPD), im Beisein von Journalisten und Landespolitikern: «Ich danke den Journalisten, die nicht nur registrieren, sondern recherchieren, die aufmerksam machen auf die rechte Gefahr und somit einen wichtigen Platz im politischen Diskurs einnehmen.» Sie hofft, dass die Initiative zur Strafverschärfung gegen rechtsextremistische Straftaten den Bundesrat passiert. «Neben Prävention muss auch Repression stehen», sagte sie mit Blick auf ausländerfeindliche Angriffe in jüngerer Zeit. Das zustimmende Wegschauen ermutige die rechtsradikalen Täter. Journalisten wie Alexander Schierholz, der erste Preisträger, der aus dem eigenen Bundesland komme, hätten mit ihrer kontinuierlichen Berichterstattung dafür gesorgt, «dass Vergessen und Verdrängen erschwert wird». Er empfing den Preis für seine Reportage «Das Vermächtnis», die am 19. Mai 2010 in der Mitteldeutschen Zeitung erschienen ist. Erzählt wird von einem Übergriff an einer Bushaltestelle in Laucha (Burgenlandkreis). Ein Junge israelischer Herkunft, der in dem Ort lebt, wird geschlagen und als «Judenschwein » beschimpft. Der Täter hatte im örtlichen Fußballverein gekickt – dort trainierte ein NPD-Stadtrat den Nachwuchs. «Der junge Mann hat Hass aufgesogen», so Angela Kolb. Alexander Schierholz schildert auch die Geschichte der Familie des Opfers, dessen Großvater dem Tod in Auschwitz nur knapp entkommen war. Der Text beschreibe, «wie mancherorts die NPD und ihre Gefolgsleute das Klima prägen», sagte die Ministerin. Deutlich wurde, dass solche Recherche in der sachsen-anhaltischen Provinz deutlich mehr Mut erfordert als aus fernen Pressehäusern über den «rechten Osten » zu schwadronieren. Filmemacher Matthias Deiß erinnert sich, dass bei der preisgekrönten Reportage «Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin» nicht die Täter im Fokus standen, sondern die Lebensgeschichten der Opfer. Die Journalisten besuchten deren Angehörige in Anatolien, gaben den Getöteten das Gesicht zurück und holten in Gesprächen vor Ort zwischen Hamburg und München die Familien aus Stigmatisierung heraus. Andreas Speit meinte, dass Journalisten vor allem dann gefragt seien, wenn es «um das Thema Extremismus mal wieder leise wird». Er verschwinde ja nicht, nur weil mal kein aktueller Fall bekannt werde. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, zitierte ein Papier der Kultusministerkonferenz von 1992 in Saarbrücken gegen Rechtsextremismus und Intoleranz und kritisierte: «Wir stecken noch im gleichen Schlamassel ». Es helfe nicht, «reflexhaft populistische Maßnahmen zu verkünden». Alle, die von den Enthüllungen rund um die Zwickauer Terrorzelle überrascht wurden, nannte er «pure Heuchler» und fragte: «Wo bleibt die nachhaltige Diskussion?» Im Internet habe sich die Zahl der rechten Seiten im vergangenen Jahr verdreifacht. «Was in der analogen Welt verboten ist, darf im Netz nicht erlaubt sein», kritisierte er zahlreiche Provider wegen ihrer «samtweichen Haltung zum Thema Fremdenhass, Rechtsextremismus, aber auch bei Antisemitismus und Roma-Hass.» Kramer, der sich als «Mann der klaren Ansprache » sieht, ließ auch die Journalisten nicht ungeschoren davonkommen. Gerade der Boulevardjournalismus verdiene gut an der Hetze, aber auch mit der Sympathie für die Opfer. Gegen Kinderpornografie werde viel getan, Urheberrechtsverletzungen würden streng verfolgt, «aber Menschenfeindlichkeit soll unter Meinungsfreiheit fallen?», fragte Kramer. Er habe den Eindruck, es gebe Bundesländer, wo die Justiz Nazi-Gegner geradezu kriminalisiere. «Gleichgültigkeit kann töten», schloss Stephan Kramer. Man müsse in den Familien und an den Stammtischen anfangen: »Kinder werden nicht als Rechte geboren. Die Gesellschaft macht sie dazu.» |